PNP vom 05.12.2013

Böllern fürs Brauchtum

Niederbayerische Böllerschützen diskutieren bei Arbeitstagung über Altersbegrenzung

von Franz Stangl

 

52 Böllerschützen aus ganz Niederbayern waren auf dem Kellberger Sportplatz zu einem gemeinsamen Böllern angetreten.  − Fotos: Stangl

 

52 Böllerschützen aus ganz Niederbayern waren auf dem Kellberger Sportplatz zu einem gemeinsamen Böllern angetreten. Fotos: Stangl

 

Kellberg. Große Ehre für die König-Max-Schützen Kellberg: Weil ihre Böllerschützen in diesem Jahr das 20. Gründungsjubiläum gefeiert haben, wählten die niederbayerischen Böllerschützen das Kurgästehaus in Kellberg als Tagungsort für ihre jährliche Arbeitstagung. Eine Veranstaltung, die für die nächsten Jahre bereits vergeben ist.

 

Zu dieser 22. Arbeitstagung konnte Kellbergs Schussmeister Alois Bauer neben den Ehrengästen etwa 100 Böllerschützen aus ganz Niederbayern begrüßen. Gauschützenmeister Michael Hirschenauer freute sich darüber, dass die Tagung wieder im Schützengau Passau stattfand. Immerhin sei dieser mit 47 Schützenvereinen und seinen über 3000 Mitgliedern einer der größten Gaue in Bayern.

 

Mit Zahlen konnte auch Bezirksreferent Gottfried Schmieder aufwarten. Er berichtete den Böllerschützen, dass es in Bayern aktuell insgesamt 714 Böllergruppen mit 9819 aktiven Böllerschützen gibt. Davon seien 108 Vereine mit 1920 Böllerschützen in Niederbayern angesiedelt. Besonders freute er sich darüber, dass in diesem Jahr mit den Böllerschützen aus Garham, Bogental, Wallersdorf und Sonndorf vier neue Böllergruppen gegründet wurden.

 

Augen- und Ohrenzeugen des gemeinsamen Böllerns: Geistl. Rat Herbert Oberneder (v.l.), Gottfried Schmieder, Bürgermeister Eduard Moser, Michael Hirschenauer, Landrat Franz Meyer, Siegfried Schneider, Alois Bauer und Karl-Heinz Dörr.

 

Augen- und Ohrenzeugen des gemeinsamen Böllerns: Geistl. Rat Herbert Oberneder (v.l.), Gottfried Schmieder, Bürgermeister Eduard Moser, Michael Hirschenauer, Landrat Franz Meyer, Siegfried Schneider, Alois Bauer und Karl-Heinz Dörr.

 

Gottfried Schmieder berichtete auch, dass es in letzter Zeit immer wieder Anregungen von den Böllerschützen dafür gegeben habe, das Alter für die Erlaubnis zum Böllern von derzeit 21 Jahren auf 18 Jahre herabzusetzen. Dies werde aber vom Innenministerium und vom Bayerischen Sportschützenbund immer wieder abgelehnt. Dieses Thema wurde in der Versammlung heftig diskutiert. Mit dem Verweis, dass der Wehrdienst, und damit der Dienst mit der Waffe, bereits ab 18 Jahren möglich sei, wurde diese Regelung als nicht richtig kritisiert.

 

"Strengste Sorgfalt, hohes Verantwortungsbewusstsein, Freude am Brauchtum und Liebe zur Heimat: Dafür stehen die Böllerschützen", das stellte Landrat Franz Meyer fest. "Wo geböllert wird, da geschieht etwas Besonderes, da wird gefeiert, da steht meist die Freude über ein wichtiges Ereignis im Mittelpunkt", sagte der Landrat. Deshalb sei das Böllern auch ein Ausdruck von Lebensfreude und Selbstbewusstsein.

Böller-Pfarrer Alfred Binder aus Künzing betonte in seinem Grußwort, dass das Böllern zwar Krach mache, aber keinen Lärm. Mit weiteren Gedanken über die Stille stellte er fest, dass es auch in der Bibel mehrere Stellen gebe, wo Gott sich immer wieder durch lautes Donnern bemerkbar gemacht habe. In weiteren Grußworten bedankte sich Thyrnaus Bürgermeister Eduard Moser bei den Kellberger Böllerschützen für den Erhalt dieser Tradition sowie für die Pflege des Brauchtums.

 

Das abschließende gemeinsame Böllern auf dem Sportplatz wurde eine beeindruckende Demonstration bayerischen Brauchtums: Insgesamt 52 Böllerschützen aus ganz Niederbayern waren dazu angetreten. Die Kommandos gab der niederbayerische Ehrenbezirksschützenmeister Siegfried Schneider: "Laden, gemeinsam verdämmen, Zündhütchen setzen, Böller aufheben und Feuer." Auf diese Kommandos folgten mit einem gewaltigen Donner mehrere Salven über dem Luftkurort.

 

 

 

 

PNP vom 05.12.2013

 

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